Südafrikanische Rebsorten wie Chenin Blanc, Colombard, Cabernet Sauvignon oder Pinotage gehören heute zum festen Portfolio vieler Weinkeller. Der WOSA Sommelier Cup hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Weinvielvalt vom Kap und ihre besonderen Produkte mit einem großen Wettbewerb von Top-Sommeliers international bekannt zu machen

Jessica Bruder

Tipp der Redaktion

Die gesamte Weinproduktion am Kap erreicht heute eine Fläche von rund 102.000 Hektar und ist durch nachhaltige sowie traditionelle Anbau- und Herstellungsmethoden geprägt. Begünstigt durch das außergewöhnliche geographische Klima der Region, gedeihen die vielfältigen Reben von mehr als 4.180 Traubenfarmern sehr gut. Die internationale Nachfrage nach Weinen aus Südafrika stieg seit dem Ende der Apartheid-Politik 1991 sprunghaft an, sodass ihr Export mittlerweile zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes zählt.

Anhand des seit 1973 vergebenen südafrikanischen Gütesiegels „Wine Of Origin“ erkennt der Verbraucher, dass mit der Herkunftsangabe auf dem Etikett sämtliche für den jeweiligen Wein verwendete Trauben aus der genannten Appellation stammen. Zudem wird sichergestellt, dass der Wein mindestens 75 bis 85 Prozent der genannten Sorte des angegebenen Jahrgangs enthält und eine gründliche analytische sowie organoleptische Kontrolle bestanden hat. Mit steigenden Exportzahlen steigt somit auch der Wert dieses Qualitätssiegels, sodass sich immer mehr einheimische Erzeuger hierum bemühen.

WOSA Sommelier Cup Germany 2016

Jeder Wein ist anders, hat seine eigene Charakteristik und Philosophie. Das Kulturgut Wein ist daher so facettenreich wie kaum ein anderes Getränk und blickt auf eine jahrtausendalte Geschichte zurück. Je nach Herkunft, Lage, Anbauweise und vielen weiteren Merkmalen, bildet ein Wein Primär-, Sekundär- und Tertiäraromen aus, die seinen individuellen Geruch und Geschmack ausmachen. Diese spezifischen sensorischen Eindrücke werden heute zusammen mit Passion und Fachwissen durch professionelle Sommeliers eingeordnet. Sie schlagen ihren Gästen die Weine vor, die mit den gewählten Speisen oder dem Geschmack des Kunden harmonieren. Daher sind ein offener und professioneller Umgang mit Menschen, Einfühlungsvermögen, aber vor allem eine sehr gute Sensorik, eine sensible Nase und ein ebenso sensibler Gaumen entscheidend für einen guten Sommelier.

Das WOSA-Halbfinale und seine Protagonisten
Der WOSA Sommelier Cup ist eine der internationalen Bühnen für Top-Sommeliers, auf der Weinkenner aus aller Welt ihre Sensorik und ihr spezifisches Wissen zu südafrikanischen Weinen unter Beweis stellen können. Vier ausgewählte Weinexperten kamen zum deutschen Halbfinale am 18. Juli, dem Nelson Mandela International Day, auf Einladung des südafrikanischen Weinexportverbandes WOSA – Wines of South Africa im Excelsior Hotel in München zusammen: Marc Almert, Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, Hamburg, Felix Franke, Seehotel Ente, Ketsch, Carine Patricio, Restaurant Jellyfish, Hamburg und Florian Richter, Hotel Kronenschlösschen, Eltville am Rhein.

Alle Halbfinalisten zeigen ihr Können nahezu täglich in ihren Häusern. Sie verfügen über ein breitgefächertes Fachwissen und qualifizierten sich nach einem Online-Test für das Halbfinale des WOSA Sommelier Cup Germany 2016, der hier zu Lande bereits zum dritten Mal, jedoch erstmalig in München ausgerichtet wurde.

Beobachtet und geprüft wurden die Teilnehmer durch eine fünfköpfige Jury, unter Leitung der Sommeliére und Weinautorin Paula Bosch. Mit ihr zusammen saßen im Expertengremium: Astrid Zieglmeier, IHK Akademie MünchenChristina Krenn, die Deutschland 2013 als Jung-Sommelière beim ersten WOSA Sommelier Cup in Südafrika vertrat, Sarah Zoerb vom International Wine Institute sowie Philipp Kündemund von der Sommelier-Union Deutschland e.V..

Geprüfte Südafrika-Leidenschaft
Aufmerksam notierten sich die Prüfer jede Aktion und jeden Schritt der Sommeliers vor Publikum in insgesamt vier anspruchsvollen Prüfungen: Zu Beginn starteten die Teilnehmer mit einer Gruppenprüfung „Theorie und Blindverkostung“, bei der sie Weine verdeckt verkosten und beschreiben mussten. Gefolgt von der persönlichen Vorstellung eines eigens mitgebrachten südafrikanischen Weines (Einzelprüfung) und einer daran anschließenden Einzelprüfung „Harmonie von Speise und Wein“, bei der Weine zu ausgesuchten Speisen gewählt und begründet wurden. Das Finale bildete die Prüfung „Service am Gast“ (Einzelprüfung), bei der die Sommeliers ihren Gästen (der Jury) ein mehrgängiges Menü mit passenden Weinen empfehlen sollten und einen Schaumwein gekonnt am Tisch öffnen und präsentieren mussten.

And the winner is…
Nach ausführlicher Auswertung sämtlicher Prüfungsbögen und anschließender Beratungen, einigte sich die Jury auf den diesjährigen Gewinner des WOSA Sommelier Cup Germany: Der 25-jährige Jung-Sommelier Marc Almert vom Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg entschied das Rennen um den begehrten Finalistenplatz in Kapstadt für sich. Almert darf sich nun auf eine Woche Südafrika Ende September freuen, in der er zahlreiche Weingüter besuchen wird, Gespräche mit anderen Weinexperten führen und an vielfältigen Weinverkostungen teilnehmen kann. Höhepunkt seiner Reise wird das Finale des WOSA Sommelier Cup am 23. September 2016 in Kapstadt sein, bei dem sich Marc Almert mit weiteren Finalisten und Top-Sommeliers aus England, Holland, Schweden, USA, Canada, Asien und Kenia messen muss.

Glückwünsche an einem besonderen Tag
Der südafrikanische Generalkonsul George Monyemangene beglückwünschte Almert zusammen mit der Jury und den anderen Teilnehmern zum Einzug ins Finale. In seinen Grußworten erinnerte Monyemangene zugleich an den International Nelson Mandela Day und somit an einen großen Bürgerrechtler und Staatsmann, der sich wie kein anderer für Humanität und Gleichberechtigung in Südafrika einsetzte.

Zum Abschluss überreichte Generalkonsul Monyemangene dem strahlenden Sieger einen Schal in den Landesfarben Südafrikas, der die unterschiedlichen Menschen und Kulturen seines Landes symbolisiert. Mit diesem Akt schuf Monyemangene zugleich eine Verbindung zwischen der internationalen Ausprägung seines Landes und der Vielfalt der Weinsorten am Cap, die weltweit sehr geschätzt und beliebt sind. Der WOSA Sommelier Cup ist daher auch – ganz im Sinne Nelson Mandelas – eine ideale Plattform, die über das Kulturgut Wein hinaus einen internationalen und nachhaltigen Austausch zwischen unterschiedlichen Nationen und Menschen fördert.