In einer Welt, die in Daten versinkt, setzt er auf den Moment: Klaus Klische prägte mit der Gastro Vision viele Jahre die Hospitality-Branche und ermöglichte einen zielgerichteten Austausch von Branchenkennern. Mit der 370GRAD gehen Klische und sein Team seit zwei Jahren zehn Grad über das eigentliche Soll hinaus und blicken mit ausgewählten, innovativen Ausstellern über den Tellerrand und in die Zukunft der Branche.
Ein Gespräch mit Klaus Klische über das Ende des klassischen Messe-Quadratmeters, den „Heimathafen“ Hamburg und die Frage, warum echte Begegnungen im Frühjahr 2026 zur wertvollsten Währung der Hospitality-Industrie geworden sind.
LuxSpots: Herr Klische, mit der 370GRAD, Ihrer neuen „Plattform für Entscheider aus Hotellerie, Gastronomie & Catering“ in Hamburg, verkaufen Sie, wie man hört, keine Quadratmeter Standflächen, sondern Atmosphäre und Relevanz. Wie würden Sie den Kern Ihres Branchentreffs beschreiben?
Klaus Klische: Im Kern bringen wir auf der 370GRAD Entscheider zusammen, die sich vernetzen, neue Kooperationen anstoßen und gemeinsam wirklich etwas bewegen wollen – in einem Umfeld, das inspiriert und neue Perspektiven eröffnet. Entscheidend ist für uns: Qualität vor Quantität, Begegnung auf Augenhöhe und Inhalte, die die Branche unmittelbar weiterbringen und fit für die Zukunft machen.
1999 starteten Sie unter dem Namen „Gastro Vision“ mit 13 Ausstellern in einem einzigen Raum im Hotel Hafen Hamburg. Was trieb Sie damals an? Und hatten Sie von Beginn an das Ziel, Ihre damalige Veranstaltung zu einer Fachmesse im heutigen Stil und Umfang zu machen?
Damals wollte ich unser Unternehmen Fresh Factory mit unserem Obstsalat auf der Internorga präsentieren – doch es gab keinen Platz. Also organisierte ich kurzerhand unsere eigene Veranstaltung im Hotel Hafen Hamburg: die Gastro Vision, mit 13 Ausstellern. Daraus entwickelte sich ein etablierter Branchentreff – wir haben offenbar den Nerv der Branche getroffen. Vor zwei Jahren wurde daraus die 370GRAD, mit noch klarerer Fokussierung auf die drei Bereiche Hotellerie, Gastronomie und Catering. Heute zählen wir rund 130 Aussteller und über 2000 Entscheider. Dass sich unsere kleine Hausmesse so entwickeln würde, hätten wir 1999 nicht gedacht – umso mehr freut mich, mit wie viel Herzblut unser Team die Veranstaltung jedes Jahr neugestaltet.
Der Name 370GRAD verspricht zehn Grad mehr als das sonst übliche Rundum-Panorama. Was unterscheidet Ihr neues Konzept von der vorigen Gastro Vision? Was ist ggf. gleichgeblieben, und welches Versprechen geben Sie Ausstellern und Gästen mit diesem neuen Namen?
370GRAD steht für den Blick über den Tellerrand und für die Zukunft der Branche. Die zusätzlichen zehn Grad symbolisieren Perspektivwechsel, neue Denkansätze und den Mut, Dinge anders zu machen. Mit der 370GRAD sind wir nicht mehr nur Gastro, sondern bilden die gesamte Hospitality-Branche ab. Mit dem neuen Markennamen 370GRAD haben wir dafür ein passenderes Wording gefunden, um die Veränderungen der vergangenen Jahre aufzugreifen. Das dahinterstehende Eventformat, ebenso wie der Leitgedanke und die Location – das Empire Riverside Hotel – sind aber gleichgeblieben.
Hamburg ist Ihr Heimathafen und der Ankerpunkt Ihrer Visionen. Was macht die Hansestadt zum perfekten Austragungsort für ein so progressives Konzept, und müsste die 370GRAD beispielsweise in Berlin, Frankfurt oder München anders funktionieren? Bzw. ist Ihre geplante Roadshow durch Deutschland in diesem Jahr ein Test, um Ihr Konzept auch an weiteren Orten zu verankern?
Hamburg ist für uns der perfekte Ort, weil die Stadt Internationalität, Kreativität und hanseatische Bodenständigkeit vereint – eine Mischung, die ideal zur 370GRAD passt. Zudem findet die Veranstaltung parallel zur Internorga statt, sodass viele Branchenvertreter ihren Besuch effizient bündeln können. Unsere Roadshow im Herbst mit Stopps in Berlin, Frankfurt und München verstehen wir als Ergänzung: zusätzliche Treffpunkte im Jahr, bei denen ausgewählte Aussteller sich regional präsentieren und die Besucher sich ohne lange Anreise viele Inspirationen holen und gute Gespräche führen können. Das Flaggschiff der 370GRAD bleibt jedoch klar Hamburg.
In einer Welt, die sich rasend schnell digitalisiert, setzen Ihre Konzepte vor allem auf das Analoge und das persönliche Wort. Ist die „Face-to-Face“-Begegnung heute vielleicht Ihrer Meinung nach zum wertvollsten Luxusgut der Hospitality-Industrie geworden?
Absolut. In einer digitalen Welt wird das Persönliche zum echten Luxus. Vertrauen entsteht durch direkte Begegnung, durch Gespräche, durch das gemeinsame Erleben. Gerade in der Hospitality, die ja von Emotion und Gastlichkeit lebt, ist das Face-to-Face wichtiger denn je. Digitalisierung kann vieles unterstützen – aber sie ersetzt nicht das echte Gespräch und den persönlichen Kontakt.
Kommen wir zu Ihrer Kuratierung: Anhand welcher Kriterien entscheiden Sie, welche Partner und Produkte den „370GRAD-Spirit“ verkörpern und damit Aussteller auf der 370GRAD werden dürfen?
Unsere Auswahl basiert auf Relevanz und Innovationskraft. Wir schauen uns genau an, welchen Mehrwert ein Partner für die Branche bietet und ob er zu unserem Spirit passt. Es geht nicht darum, möglichst viele Aussteller zu haben, sondern die richtigen.
Sie sprechen regelmäßig mit Gastronomen, Hoteliers und Caterern aus dem gesamten DACH-Raum. Wenn Sie die Stimmungslage der Hospitality-Branche in diesem Frühjahr 2026 in drei Worten beschreiben müssten, welche wären das? Und was hören Sie in den Gesprächen am häufigsten?
Ich würde sagen: herausfordernd, dynamisch, zukunftsorientiert. Die Branche steht unter Druck, ist aber gleichzeitig unglaublich kreativ und anpassungsfähig. Was ich am häufigsten höre, ist der Wunsch nach Orientierung, Verlässlichkeit, Austausch und Weiterentwicklung – viele suchen nach klaren Rahmenbedingungen, neuen Konzepten, nachhaltigen Lösungen und Wegen, wirtschaftlich stabil zu bleiben und sich für die Zukunft auszurichten.
Blicken wir in die Glaskugel: In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird sich die Art, wie wir auswärts essen und übernachten, vermutlich weiter wandeln. Welchen Trend sehen Sie kommen, den wir heute vielleicht noch unterschätzen?
Ein Trend, der oft unterschätzt wird, ist die zunehmende Verschmelzung von Erlebnis, Technologie und Individualisierung. Gäste erwarten künftig noch stärker maßgeschneiderte Erlebnisse – gleichzeitig müssen Prozesse effizienter werden. Wer es schafft, beides zu verbinden, wird langfristig erfolgreich sein.
Zum Abschluss: Wenn Sie der nächsten Generation von Gastronomen und Caterern im DACH-Raum nur einen einzigen Satz mit auf den Weg geben dürften, um in diesen volatilen Zeiten erfolgreich zu bleiben. Wie würde dieser lauten?
Bleibt neugierig, mutig und nah am Gast – alles andere ergibt sich daraus.
Vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch.


